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Die Beziehung zwischen dem Darmmikrobiom und Hauterkrankungen: Akne, atopische Dermatitis, Psoriasis und Rosazea
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Die Beziehung zwischen dem Darmmikrobiom und Hauterkrankungen: Akne, atopische Dermatitis, Psoriasis und Rosazea

Was ist das Darmmikrobiom, und warum ist es für die Hautgesundheit wichtig?

Die Haut und ihr mikrobielles Ökosystem

Dermatologische Erkrankungen stellen ein bedeutendes Problem der öffentlichen Gesundheit dar und betreffen schätzungsweise 30–70 % der Weltbevölkerung 1. Fast die Hälfte (47,9 %) der europäischen Bevölkerung im Alter von 18 Jahren und älter hat innerhalb der letzten 12 Monate mindestens eine dermatologische Erkrankung erlebt 2. Hautbeschwerden sind daher ein äußerst häufiger Grund für medizinische Konsultationen und können die Lebensqualität, die Arbeitsleistung und das psychische Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen 1. Es scheint, dass Veränderungen in der Regulation des Immunsystems wesentlich zu vielen Hauterkrankungen beitragen. Auch eine Störung der Hautbarriere, chronische Entzündungsprozesse sowie bestimmte Umweltfaktoren oder Stress können zugrunde liegende Ursachen sein. 2

Die Haut ist nicht lediglich eine passive Schutzschicht, sondern das größte Organ des menschlichen Körpers und macht etwa 10–15 % des gesamten Körpergewichts aus 3. Sie schützt vor mechanischen, mikrobiellen, chemischen und allergenen Einflüssen und erfüllt gleichzeitig aktive immunologische und neuroendokrine Funktionen. 4, 5

Die Haut verfügt über ein eigenes mikrobielles Ökosystem. Etwa 10¹² Mikroorganismen können die Haut besiedeln, und diese mikrobielle Gemeinschaft spielt eine wichtige Rolle für ihre Schutzfunktionen 1. Verschiedene Hautregionen, wie trockene, feuchte oder talgreiche Bereiche, weisen unterschiedliche mikrobielle Zusammensetzungen auf, die von Faktoren wie Talgproduktion, pH-Wert, Feuchtigkeitsgehalt, Sauerstoffverfügbarkeit, Temperatur und UV-Strahlung beeinflusst werden 4. Gesunde menschliche Haut beherbergt üblicherweise Vertreter der Gattungen Brevibacterium, Propionibacterium, Micrococcus, Staphylococcus, Streptococcus und Corynebacterium, während Malassezia als die dominierende Pilzgattung gilt. 5

Die Rolle des Darmmikrobioms

Das Mikrobiom umfasst die in einer bestimmten Umgebung vorhandenen Mikroorganismen (Bakterien, Viren und Pilze) sowie deren genetisches Material, Metaboliten und das sie umgebende Milieu 1. Obwohl auch die Haut ein mikrobiell reich besiedelter Lebensraum ist, befindet sich die Mehrheit der Mikroorganismen im Gastrointestinaltrakt. Die Darmmikrobiota kann etwa 10¹⁴ Mikroorganismen mit einer Gesamtmasse von rund 1,5 kg enthalten, was ungefähr dem Gewicht der Leber entspricht 1. Zu den dominierenden Phyla im Darmmikrobiom gesunder Erwachsener gehören Firmicutes, Bacteroidetes, Actinobacteria, Proteobacteria, Fusobacteria und Verrucomicrobia; allerdings bestehen erhebliche interindividuelle Unterschiede. 1

Das Darmmikrobiom ist an zahlreichen essenziellen physiologischen Prozessen beteiligt. Es trägt zum Abbau von Nährstoffen, zum Stoffwechsel von Arzneimitteln und anderen fremden oder potenziell toxischen Verbindungen, zum Schutz vor Infektionen sowie zur Entwicklung und Regulation des Immunsystems bei 1. Darmmikroorganismen helfen bei der Verwertung ansonsten unverdaulicher Nahrungsbestandteile, tragen zur Produktion von Vitaminen und anderen Metaboliten bei und unterstützen die Integrität der Darmbarriere. 5

Eine besonders wichtige Stoffwechselfunktion des Darmmikrobioms ist die Fermentation von Ballaststoffen, wodurch kurzkettige Fettsäuren (SCFAs, darunter Butyrat, Propionat und Acetat) entstehen. Diese Metaboliten tragen zur Aufrechterhaltung eines niedrigeren intestinalen pH-Werts bei, dienen als Energiequelle für intestinale Epithelzellen, hemmen das Wachstum bestimmter Krankheitserreger, wirken entzündungshemmend und tragen zur Erhaltung der Integrität der Darmbarriere bei. 1

Die Störung des Gleichgewichts des für unseren Körper nützlichen Mikrobioms wird als Dysbiose bezeichnet. Dabei kann es zu einer Verringerung nützlicher Mikroorganismen, einem übermäßigen Wachstum potenziell schädlicher Mikroben oder zu einer allgemeinen Abnahme der mikrobiellen Vielfalt kommen 4. Die Entstehung einer Dysbiose kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden, darunter Ernährung, Antibiotikaeinsatz, Body-Mass-Index, Lebensstil, Stress, Schlafqualität, Rauchen, geografische Umgebung und die Exposition gegenüber Krankheitserregern. 1

Faktoren, die die Entwicklung einer Dysbiose beeinflussen.
Faktoren, die die Entwicklung einer Dysbiose beeinflussen.

Die Darm-Haut-Achse

Eine Darmdysbiose kann Folgen über den Gastrointestinaltrakt hinaus haben und systemische Effekte auslösen. Eine erhöhte Darmpermeabilität kann dazu führen, dass Metaboliten, Toxine und mikrobielle Bestandteile in den Blutkreislauf gelangen, was potenziell zur Produktion von Entzündungsmediatoren und Zytokinen führt 6. Diese Prozesse können auch die Haut beeinflussen, da Darmmikroorganismen und ihre Metaboliten über den Kreislauf die Haut erreichen und deren Homöostase, Barrierefunktion, Hydratation und Immunantworten beeinflussen können. 1

Hier wird das Konzept der Darm-Haut-Achse besonders relevant. Sowohl der Darm als auch die Haut sind Organsysteme, die direkt mit der Umwelt interagieren, reich innerviert und vaskularisiert sind und über eigene mikrobielle Gemeinschaften verfügen 4. Die Darm-Haut-Achse beschreibt die bidirektionale Beziehung, durch die das Darmmikrobiom, die Darmbarriere, das Immunsystem, Entzündungsmediatoren und mikrobielle Metaboliten gemeinsam die Hautgesundheit beeinflussen. 6

Die Verbindung zwischen Darm und Haut ist kein neues Konzept: Bereits 1930 stellten John H. Stokes und Donald M. Pillsbury die Hypothese auf, dass eine intrinsische Beziehung zwischen der Darmflora und Hautentzündungen besteht 4. Moderne mikrobiologische und immunologische Forschung klärt zunehmend die Mechanismen auf, über die das Darmmikrobiom die Hautgesundheit beeinflussen kann. 4

Wie „kommuniziert“ der Darm mit der Haut?

Der Darm und die Haut sind keine isolierten Einheiten; sie stehen über neurologische, endokrine, immunologische und mikrobielle Wege in einer ständigen, bidirektionalen Kommunikation. 4–6

Das Hautmikrobiom, das Darmmikrobiom, das Immunsystem, die Ernährung, Metaboliten und Entzündungsprozesse sind eng miteinander verknüpft. Das Verständnis der Darm-Haut-Achse eröffnet daher eine neue Perspektive auf dermatologische Erkrankungen und unterstreicht die potenzielle Bedeutung therapeutischer Strategien wie Ernährungsinterventionen, den Einsatz von Präbiotika und Probiotika sowie Ansätze zur Wiederherstellung des mikrobiellen Gleichgewichts. 4–6

Kommunikationswege der Darm-Haut-Achse
Kommunikationswege der Darm-Haut-Achse

1. Immunologische Verbindung

Einer der wichtigsten Verbindungswege zwischen Darm und Haut ist das Immunsystem. Das mukosale Immunsystem des Gastrointestinaltrakts, insbesondere das darmassoziierte lymphatische Gewebe, erkennt fortlaufend mikrobielle Signale und reguliert, ob der Körper mit Toleranz oder Entzündung reagiert. 5

Die Schleimhäute, einschließlich der Darmschleimhaut, dienen als wichtige Schutzbarriere: Sie ermöglichen die Aufnahme von Nährstoffen und verhindern gleichzeitig das Eindringen von Bakterien, Toxinen und proinflammatorischen Substanzen in den Körper. Die sogenannten „Tight Junctions“, die die intestinalen Epithelzellen eng miteinander verbinden, spielen dabei eine zentrale Rolle.

Das Darmepithel; die es bedeckende Schleimschicht; Antikörper (wie IgA); verschiedene Immunzellen (wie T-Zellen, Makrophagen, dendritische Zellen und Mastzellen, die Immunreaktionen gegen Krankheitserreger erkennen und regulieren); sowie antimikrobielle Peptide (die das mikrobielle Wachstum direkt hemmen) bilden gemeinsam die „Mukosabarriere“. Unter normalen Bedingungen verhindert dieses Abwehrsystem, dass Bakterien, Toxine und Antigene (Substanzen, die vom Immunsystem als fremd erkannt werden können) in den Blutkreislauf gelangen. 5, 6

Als Folge einer Darmdysbiose kann die Funktion der Darmbarriere beeinträchtigt werden. Tight Junctions können sich lockern, die Integrität der Mukosabarriere kann sich verschlechtern und die Darmpermeabilität kann zunehmen. Dadurch können mikrobielle Bestandteile – einschließlich bakterieller DNA, Endotoxine, Lipopolysaccharide und anderer proinflammatorischer Moleküle – in den Blutkreislauf gelangen, wo sie das Immunsystem über Mustererkennungsrezeptoren aktivieren und die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine stimulieren (Signalmoleküle, die entzündliche Immunreaktionen verstärken, wie TNF und IL-17). 5, 6
Die daraus resultierende systemische Entzündung kann zur Entstehung oder Aufrechterhaltung entzündlicher Prozesse in entfernten Organen, einschließlich der Haut, beitragen. 5, 6 Bei Psoriasis wurde beispielsweise bakterielle DNA im Blutkreislauf nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass mikrobielle Signale aus dem Darm zum entzündlichen Hintergrund der Erkrankung beitragen können. 7

T-Zell-Immunantworten sind ebenfalls von zentraler Bedeutung für die immunologische Verbindung innerhalb der Darm-Haut-Achse. Die verschiedenen T-Helferzellpopulationen arbeiten in einem dynamischen Gleichgewicht. Th1-Zellen sind vor allem an akuten Infektionen und der Abwehr von Viren und intrazellulären Krankheitserregern beteiligt, während Th2-Zellen die Antikörperproduktion und allergische Reaktionen bei chronischen Zuständen regulieren. Th17-Zellen spielen eine Schlüsselrolle beim Schutz von Schleimhäuten und Haut, insbesondere gegen extrazelluläre Bakterien und Pilze, während regulatorische T-Zellen (Treg-Zellen, einschließlich Th3-Zellen) für die Unterdrückung von Immunreaktionen und die Aufrechterhaltung der Immuntoleranz essenziell sind. Verschiebt sich dieses Gleichgewicht dauerhaft in die eine oder andere Richtung, kann dies zur Entwicklung chronisch-entzündlicher, autoimmuner oder allergischer Erkrankungen beitragen.

Das Darmmikrobiom kann die Funktion und Regulation von Immunzellen erheblich beeinflussen. Bestimmte Darmbakterien unterstützen die Aktivität von Treg-Zellen, die als „Bremse“ des Immunsystems wirken, indem sie übermäßige Entzündungen kontrollieren und verhindern, dass das Immunsystem harmlose Substanzen oder körpereigenes Gewebe angreift. Dies ist besonders wichtig in Schleimhautgeweben, wo das Immunsystem ständig zwischen schädlichen Krankheitserregern und harmlosen Umwelt- oder Nahrungsantigenen unterscheiden muss.

Umgekehrt fördern andere immunologische Prozesse eine übermäßige Aktivierung von Th17-Zellen, was zu ausgeprägten Entzündungsreaktionen führt. Bei einer Dysbiose kann das Gleichgewicht zwischen Treg- und Th17-Zellen gestört werden: Mechanismen, die Immunreaktionen unterdrücken, können geschwächt werden, während proinflammatorische Signalwege aktiver werden. Dies kann insbesondere bei Psoriasis von Bedeutung sein, bei der eine Überaktivierung des Immunsystems eine zentrale Rolle spielt. 5, 6

2. Mikrobielle Metaboliten

Mikrobielle Metaboliten stellen einen weiteren wichtigen Kommunikationsweg innerhalb der Darm-Haut-Achse dar. Darmmikroorganismen produzieren Metaboliten, die sowohl lokale Wirkungen im Darm als auch systemische Effekte über den Blutkreislauf entfalten. Von besonderer Bedeutung sind SCFAs (wie Butyrat und Propionat) sowie Tryptophan-Metaboliten, Indolderivate und Amine. 4–6

SCFAs entfalten im Allgemeinen barriereunterstützende und immunmodulierende Wirkungen. Sie tragen zur Aufrechterhaltung der Integrität des Darmepithels bei, reduzieren Entzündungen, fördern die Funktion von Treg-Zellen und können auch die Hautbarriere unterstützen. Beispielsweise wurde gezeigt, dass Butyrat den mitochondrialen Stoffwechsel in Keratinozyten (den wichtigsten Epithelzellen der Haut) moduliert und dadurch die Barrierefunktion verbessert. 4, 5

Nicht alle mikrobiellen Metaboliten sind vorteilhaft. Während einer Dysbiose können Metaboliten, die die Hautfunktion negativ beeinflussen, vermehrt auftreten. Freies Phenol, p-Kresol und bestimmte aromatische Aminosäurederivate wurden als Biomarker identifiziert, die mit einer beeinträchtigten Darmfunktion assoziiert sind und mit Störungen der Barriereintegrität, der epidermalen Differenzierung und der Verhornung in Zusammenhang stehen können. Beispielsweise können von Clostridioides difficile produzierte p-Kresole und Phenole in den Blutkreislauf gelangen, sich in der Haut anreichern, die Hautfeuchtigkeit reduzieren und die Barriereintegrität, die epidermale Differenzierung (die Reifung und Spezialisierung von Hautzellen) sowie die Keratinisierung (den Prozess, bei dem sich Zellen mit Keratin anreichern, um die schützende äußere Hautschicht zu bilden) beeinträchtigen. 5, 6

3. Neuroendokrine Verbindung

Die dritte Komponente der Darm-Haut-Kommunikation ist die neuroendokrine Verbindung. Darmmikroben sind an der Produktion mehrerer Neurotransmitter oder neurotransmitterähnlicher Verbindungen beteiligt, darunter GABA, Acetylcholin, Dopamin und Serotonin. Diese Moleküle dienen als chemische Botenstoffe des Nervensystems: GABA wirkt überwiegend beruhigend, Acetylcholin ist für die Kommunikation zwischen Nervenzellen essenziell, Dopamin wird mit Motivation und Belohnung in Verbindung gebracht, und Serotonin spielt unter anderem eine Rolle bei der Stimmungsregulation und bei Entzündungsprozessen. Diese Verbindungen können die Hautfunktion sowohl über neuronale Signalwege als auch über den systemischen Kreislauf beeinflussen. 5

In einem experimentellen Modell reduzierte GABA beispielsweise hautläsionen, die einer atopischen Dermatitis ähnelten. Ein großer Teil der Evidenz in diesem Bereich bleibt jedoch experimentell oder begrenzt, weshalb klinische Schlussfolgerungen für den Menschen mit Vorsicht gezogen werden sollten. 5

Wichtig ist, dass die Darm-Haut-Achse keine Einbahnstraße ist. Obwohl sich der Großteil der Forschung darauf konzentriert hat, wie das Darmmikrobiom die Haut beeinflusst, deuten experimentelle Hinweise darauf hin, dass Hautverletzungen oder Entzündungen auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms und die immunologische Homöostase beeinflussen können. 4–6

Was wissen wir über spezifische Hauterkrankungen?

Eine wachsende Zahl von Erkenntnissen deutet darauf hin, dass die Funktion der Darmbarriere, die Zusammensetzung des Darmmikrobioms und bestimmte mikrobielle Metaboliten zur Entstehung oder Verschlimmerung verschiedener entzündlicher und immunvermittelter Hauterkrankungen beitragen können. Ein großer Teil der derzeitigen Evidenz bleibt jedoch assoziativer Natur. 4

Störungen des Darmmikrobioms wurden mit dermatologischen Erkrankungen wie atopischer Dermatitis, Psoriasis, Akne und Rosazea in Verbindung gebracht. 5

Atopische Dermatitis

Die Evidenz, die eine Rolle des Darmmikrobioms bei atopischer Dermatitis unterstützt, gehört zu den derzeit stärksten verfügbaren. Die atopische Dermatitis wird heute nicht nur als Erkrankung des Immunsystems und der Hautbarriere untersucht, sondern auch als Zustand, der mit einer Dysbiose sowohl des Haut- als auch des Darmmikrobioms verbunden ist. 8

Mehreren Studien zufolge kann sich das Darmmikrobiom von Patienten mit atopischer Dermatitis – insbesondere von Kindern – von dem gesunder Personen unterscheiden: Häufig wurden eine verringerte mikrobielle Vielfalt, eine geringere Häufigkeit von Bifidobakterien und eine veränderte Metabolitenproduktion beschrieben. 8

Bei dieser Erkrankung kann das Darmmikrobiom eine Schlüsselrolle bei der Herstellung eines angemessenen immunologischen Gleichgewichts, der Regulation von Immunantworten und der Aufrechterhaltung der Integrität der Darmbarriere spielen. Die früh im Leben etablierte Darmflora könnte dabei besonders wichtig sein: Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Kaiserschnittgeburten, eine frühe Antibiotikaexposition oder eine verringerte mikrobielle Vielfalt das Risiko für die Entwicklung atopischer Erkrankungen erhöhen können. 8
Die sogenannte „Hygienehypothese“ basiert auf der Beobachtung, dass eine verringerte Exposition gegenüber biodiversen Umgebungen (insbesondere in den frühen Lebensjahren) mit einer erhöhten Häufigkeit von atopischer Dermatitis und anderen allergischen Erkrankungen verbunden sein kann. Es wird angenommen, dass eine unzureichende mikrobielle Exposition während der Kindheit die Entwicklung von Immuntoleranzmechanismen beeinflussen und allergische Entzündungen fördern kann. 9

Zahlreiche klinische Studien haben auch den Einsatz von Probiotika und Synbiotika bei atopischer Dermatitis untersucht. Die Ergebnisse waren heterogen, wobei die Wirksamkeit offenbar von den verwendeten Stämmen, dem Alter der Patienten, dem Schweregrad der Erkrankung und der Behandlungsdauer abhängt. Daher werden Probiotika derzeit am besten als ergänzender Ansatz und nicht als Standardtherapie betrachtet. 8

Charakteristische entzündliche Manifestationen der atopischen Dermatitis (eine Form des Ekzems). Eine Fehlregulation des Immunsystems und eine verringerte Vielfalt des Darmmikrobioms können insbesondere in den frühen Lebensjahren zur Krankheitsentstehung beitragen.
Charakteristische entzündliche Manifestationen der atopischen Dermatitis (eine Form des Ekzems). Eine Fehlregulation des Immunsystems und eine verringerte Vielfalt des Darmmikrobioms können insbesondere in den frühen Lebensjahren zur Krankheitsentstehung beitragen.

Psoriasis

Psoriasis wird heute nicht mehr nur als lokal begrenzte Hauterkrankung angesehen, sondern als systemische entzündliche Erkrankung, bei der eine übermäßige Proliferation von Keratinozyten zur Bildung der charakteristischen verdickten und entzündeten Plaques beiträgt. 10

Mehrere Studien haben Veränderungen in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms sowie verringerte Mengen an Bakterien beschrieben, die kurzkettige Fettsäuren produzieren. Häufig beobachtete Veränderungen umfassen eine Abnahme von Akkermansia muciniphila und Faecalibacterium prausnitzii, die normalerweise Metaboliten produzieren, welche die Barriereintegrität unterstützen und entzündungshemmende Wirkungen ausüben. 10

Bei Psoriasis wurden Auffälligkeiten nicht nur im Darmmikrobiom, sondern auch im Hautmikrobiom beschrieben. Studien deuten darauf hin, dass Vertreter des Phylums Firmicutes in psoriatischen Plaques überrepräsentiert sein können, während Arten der Gattung Cutibacterium im Vergleich zu gesunder Haut weniger häufig vorkommen. Darüber hinaus wurden Unterschiede in der mikrobiellen Vielfalt des Darms bei Patienten mit Psoriasis dokumentiert. 9

Die Beziehung zwischen Psoriasis und dem Darm wird zusätzlich durch Hinweise auf eine erhöhte Darmpermeabilität gestützt. Einige Studien haben bakterielle DNA im Blutkreislauf von Psoriasis-Patienten nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass mikrobielle Bestandteile über eine beeinträchtigte Darmbarriere in den Kreislauf gelangen und zu systemischen Entzündungen beitragen können. 7

Psoriasis ist häufig mit dem metabolischen Syndrom, Adipositas und entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert, was die Bedeutung der Darm–Immun–Haut-Achse zusätzlich unterstreicht 10. Gleichzeitig bleiben die Befunde zum Mikrobiom heterogen. Unterschiede bei Probenentnahme, Sequenzierungstechnologien und Analysemethoden verhindern derzeit die Definition eines konsistenten, diagnostisch nutzbaren „Psoriasis-Mikrobiom-Profils“.

Rote, verdickte und schuppende Plaques, die charakteristisch für Psoriasis sind. Nach einigen Studien kann die übermäßige Proliferation von Keratinozyten durch systemische Entzündungen verstärkt werden, die mit einer erhöhten Darmpermeabilität und dem Übertritt mikrobiomabgeleiteter Moleküle in den Blutkreislauf verbunden sind.
Rote, verdickte und schuppende Plaques, die charakteristisch für Psoriasis sind. Nach einigen Studien kann die übermäßige Proliferation von Keratinozyten durch systemische Entzündungen verstärkt werden, die mit einer erhöhten Darmpermeabilität und dem Übertritt mikrobiomabgeleiteter Moleküle in den Blutkreislauf verbunden sind.

Akne

Die Entstehung der Akne vulgaris wurde traditionell mit einer erhöhten Talgproduktion, der Rolle von Cutibacterium acnes (früher Propionibacterium acnes), hormonellen Einflüssen und Entzündungsprozessen in Verbindung gebracht. In den letzten Jahren richtet sich jedoch zunehmend Aufmerksamkeit auf die potenzielle Rolle des Darmmikrobioms. Akne ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der pilosebaceösen Einheit, bei der eine erhöhte Talgproduktion, eine abnorme follikuläre Verhornung, das Vorhandensein von Cutibacterium acnes und die proinflammatorische Aktivität des Hautmikrobioms gemeinsam zur Pathogenese beitragen. 9

Einige Studien haben bei Patienten mit Akne eine verringerte mikrobielle Vielfalt sowie geringere Mengen an Lactobacillus- und Bifidobacterium-Arten beschrieben. Akne wurde außerdem mit Ernährungsweisen wie einer Ernährung mit hoher glykämischer Last und westlichen Ernährungsgewohnheiten in Verbindung gebracht, die sowohl die Zusammensetzung des Darmmikrobioms als auch immunmetabolische Signalwege beeinflussen können. 11

Es wurde vorgeschlagen, dass eine mikrobielle Dysbiose des Darms zur bei Akne beobachteten Entzündungsreaktion beitragen kann. Studien beschrieben unter anderem ein erhöhtes Bacteroidetes/Firmicutes-Verhältnis sowie insgesamt niedrigere Konzentrationen von Actinobacteria und Proteobacteria im Darmmikrobiom von Aknepatienten. Diese Veränderungen können mit einer beeinträchtigten Darmbarrierefunktion, einer erhöhten Entzündungsaktivität und veränderten Immunantworten verbunden sein. 9

In klinischen Studien wurden bestimmte probiotische Formulierungen – insbesondere spezifische Stämme von Lactobacillus und Bifidobacterium – mit Verbesserungen der Aknesymptome, einer Verringerung entzündlicher Läsionen und einer Abschwächung antibiotikabedingter Nebenwirkungen in Verbindung gebracht. 12

Klinisches Erscheinungsbild entzündlicher Akne (Acne vulgaris). Eine mikrobielle Dysbiose des Darms kann zur Verstärkung der zugrunde liegenden Entzündungsprozesse beitragen.
Klinisches Erscheinungsbild entzündlicher Akne (Acne vulgaris). Eine mikrobielle Dysbiose des Darms kann zur Verstärkung der zugrunde liegenden Entzündungsprozesse beitragen.

Rosazea

Rosazea gehört zu den Hauterkrankungen, die am häufigsten im Zusammenhang mit der Darm-Haut-Achse diskutiert werden. Genetische, immunologische, neurovaskuläre und mikrobiologische Faktoren können alle zur Pathogenese dieser chronisch-entzündlichen Gesichtsdermatose beitragen. Zunehmende Hinweise deuten zudem darauf hin, dass gastrointestinale Auffälligkeiten und Veränderungen des Darmmikrobioms mit der Erkrankung assoziiert sein können. 13

Mehrere Studien haben bei Patienten mit Rosazea eine erhöhte Häufigkeit von Erkrankungen wie Helicobacter-pylori-Infektionen, Reizdarmsyndrom, entzündlichen Darmerkrankungen und bakterieller Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) beschrieben. Es wird angenommen, dass eine Darmdysbiose systemische Entzündungen verstärken, die Darmpermeabilität erhöhen und die Freisetzung von Entzündungsmediatoren fördern kann, die zur Vasodilatation, Immunaktivierung und zu entzündlichen Prozessen in der Haut beitragen. 13

Es ist möglich, dass durch Helicobacter pylori ausgelöste Entzündungsprozesse sowie bestimmte Veränderungen im Darmmikrobiom zu den für Rosazea charakteristischen Flush- und Vasodilatationssymptomen beitragen. Unter anderem kann Helicobacter pylori die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, Gastrin und anderen Entzündungsmediatoren erhöhen und dadurch die Angiogenese (die Bildung neuer Blutgefäße), die Vasodilatation (die Erweiterung von Blutgefäßen) und eine verstärkte Immunaktivierung fördern. 9

Der Zusammenhang zwischen Rosazea und dem Darm wird zusätzlich durch Studien gestützt, die über Verbesserungen der Rosazea-Symptome nach der Behandlung einer SIBO berichten. Es bleibt jedoch unklar, ob Veränderungen des Darmmikrobioms Auslöser, aufrechterhaltende Faktoren oder Folgen der Rosazea sind. Auf Grundlage der derzeit verfügbaren Evidenz ist es plausibel, dass die Darm-Haut-Achse zumindest bei einem Teil der Patienten zur Aufrechterhaltung entzündlicher Prozesse beiträgt. 13

Klinisches Erscheinungsbild einer Rosazea im Gesichtsbereich. Das charakteristische Erythem und die erweiterten Blutgefäße können mit einer Dysbiose des Darmmikrobioms und gastrointestinalen Auffälligkeiten wie SIBO oder einer Helicobacter-pylori-Infektion assoziiert sein.
Klinisches Erscheinungsbild einer Rosazea im Gesichtsbereich. Das charakteristische Erythem und die erweiterten Blutgefäße können mit einer Dysbiose des Darmmikrobioms und gastrointestinalen Auffälligkeiten wie SIBO oder einer Helicobacter-pylori-Infektion assoziiert sein.

Weitere Hauterkrankungen

Die Rolle des Darmmikrobioms wird auch bei einer Vielzahl weiterer dermatologischer Erkrankungen untersucht, darunter Alopecia areata (eine Autoimmunerkrankung, die durch kreisrunden Haarausfall gekennzeichnet ist), Vitiligo (eine Autoimmunerkrankung mit Verlust der Hautpigmentierung), chronische Urtikaria (wiederkehrende Nesselsucht) und andere autoimmune Hauterkrankungen. Die Evidenz für diese Zusammenhänge ist derzeit jedoch noch begrenzt. 4

Was bedeutet es, wenn „Hautbakterien“ im Darm auftreten?

Wir betrachten das Haut- und Darmmikrobiom häufig als getrennte Ökosysteme, doch die mikrobielle Umwelt des Körpers besteht nicht aus isolierten Kompartimenten. Daraus ergibt sich eine wichtige Frage: Was bedeutet es, wenn bei einer Stuhlmikrobiomanalyse Bakterien nachgewiesen werden, die typischerweise eher mit der Haut oder Schleimhäuten assoziiert sind, wie Corynebacterium, Staphylococcus epidermidis oder Arten der Gattung Cutibacterium?

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist, dass diese Bakterien nicht grundsätzlich „schlecht“ sind. Corynebacterium ist beispielsweise ein häufiges Mitglied des Haut- und Schleimhautmikrobioms, und viele seiner Arten sind kommensale Organismen. Gleichzeitig ist die Gattung auf Artebene sehr heterogen und umfasst harmlose Kommensalen, opportunistische Krankheitserreger und – seltener – klinisch relevante Arten. Daher reicht ein Testergebnis, das lediglich die Gattungsebene identifiziert (z. B. „Corynebacterium spp.“), für weitreichende Schlussfolgerungen nicht aus. 14, 15 Eine Analyse auf Artebene kann erforderlich sein, und Shotgun-Sequenzierungstechnologien können ein präziseres Verständnis der genetischen Zusammensetzung des Organismus liefern.

Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem einmaligen Nachweis und einem dauerhaft hohen Vorkommen. Der Nachweis bakterieller DNA im Stuhl bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Mikroorganismus den Dickdarm erfolgreich kolonisiert hat. Es kann sich um eine vorübergehende Passage durch den Gastrointestinaltrakt, einen verschluckten Mikroorganismus, ein Probenartefakt oder DNA eines nicht lebensfähigen Organismus handeln und nicht um ein aktiv kolonierendes Bakterium. 16

Die Situation verdient größere Aufmerksamkeit, wenn dieselben hautassoziierten Bakterien wiederholt in erhöhten Anteilen auftreten und idealerweise auf Arten- oder Stammebene identifiziert werden. In solchen Fällen kann dies auf eine Störung des mikrobiellen Darmökosystems und eine Schwächung der sogenannten Kolonisationsresistenz hinweisen – jenes Schutzmechanismus, durch den die normale Darmmikrobiota die Ansiedlung nichtheimischer Organismen über Nährstoffkonkurrenz, Gallensäurestoffwechsel, antimikrobielle Metaboliten und immunvermittelte Prozesse begrenzt. 17, 18

Damit ein hautassoziiertes Bakterium sich dauerhafter im Dickdarm etablieren kann, muss es mehrere Barrieren überwinden. Es muss Magensäure, Gallensäuren, die Darmmotilität und die sauerstoffarme Umgebung des Dickdarms überleben und gleichzeitig mit der ansässigen Darmmikrobiota konkurrieren, die überwiegend aus obligat anaeroben Bakterien besteht. Werden diese Abwehrmechanismen beeinträchtigt – beispielsweise durch eine verminderte Magensäureproduktion, die Anwendung von Protonenpumpenhemmern (PPI), Störungen des Gallensäurestoffwechsels, verlangsamte Darmmotilität, SIBO, Antibiotikaexposition oder ein entzündetes Darmmilieu –, können Mikroorganismen, die normalerweise nur vorübergehend passieren würden, mit größerer Wahrscheinlichkeit im Verdauungstrakt überleben. 19–23

Eine zunehmende Zahl von Erkenntnissen deutet darauf hin, dass bestimmte Bakterien aus dem oralen Mikrobiom problematisch werden können, wenn sie sich im Darm ansiedeln oder dort vermehren. Obwohl dies nicht beweist, dass sich Mitglieder des Hautmikrobioms auf die gleiche Weise verhalten, wirft es eine wichtige Frage auf: Könnte eine mikrobielle „Translokation“ zwischen verschiedenen Körperregionen unter bestimmten Umständen biologische und klinische Bedeutung haben? 24

Derzeit lautet die wichtigste Schlussfolgerung, dass das Vorhandensein hautassoziierter Bakterien im Stuhl nicht grundsätzlich alarmierend ist. Es kann jedoch weitere Aufmerksamkeit erfordern, wenn es dauerhaft besteht, in hoher Häufigkeit auftritt und von umfassenderen Veränderungen der Zusammensetzung der Darmmikrobiota begleitet wird. In solchen Fällen besteht das Problem möglicherweise nicht darin, dass „Hautbakterien die Ursache sind“, sondern vielmehr darin, dass sich das ökologische Umfeld des Darms verändert hat.

Was können Sie tun, um das Darmmikrobiom bei Hautbeschwerden zu unterstützen?

Behandlung von Hauterkrankungen: lokale und systemische Ansätze

Die Behandlung entzündlicher und infektiöser Hauterkrankungen stützt sich traditionell in erster Linie auf dermatologische Therapien, die auf Symptomkontrolle und Immunmodulation abzielen. Zu den klinischen Behandlungsmöglichkeiten gehören topische entzündungshemmende Wirkstoffe (wie Kortikosteroide oder Calcineurin-Inhibitoren), antimikrobielle Therapien, Phototherapie und in schwereren Fällen systemische immunmodulatorische oder biologische Behandlungen. Auch Emollienzien und eine angemessene Hautpflege spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Hautbarriere.

In den letzten Jahren wurde jedoch zunehmend Aufmerksamkeit auf systemische Faktoren gelenkt, die den Verlauf entzündlicher Hauterkrankungen beeinflussen können. Die Forschung zur Darm-Haut-Achse hat gezeigt, dass das Darmmikrobiom, das Immunsystem, Ernährungsfaktoren und Lebensstilfaktoren in bestimmten Fällen mit der Hauthomöostase und entzündlichen Prozessen verbunden sein können. Daher ist neben konventionellen dermatologischen Therapien ein wachsendes Interesse an komplementären funktionellen Ansätzen entstanden, die das Mikrobiom und das allgemeine immunmetabolische Gleichgewicht unterstützen.

Die Unterstützung des Darmmikrobioms im Zusammenhang mit Hautbeschwerden sollte nicht als eigenständige Behandlung betrachtet werden, die einheitlich bei allen Personen angewendet werden kann. Vielmehr sollte sie als ergänzende Strategie angesehen werden, die sowohl das Mikrobiom als auch das Immunsystem unterstützen soll. 1, 4–6

Behandlungsansätze für Hauterkrankungen.
Behandlungsansätze für Hauterkrankungen.

Ernährung

Einer der wichtigsten Ansatzpunkte ist die Ernährung. Langfristige Ernährungsgewohnheiten können die Vielfalt und Zusammensetzung des Darmmikrobioms erheblich beeinflussen und dadurch indirekt die Hautgesundheit beeinflussen. Eine Ernährung, die reich an unterschiedlichen Ballaststoffen ist, scheint besonders vorteilhaft zu sein, da Ballaststoffe, die vom menschlichen Organismus nicht verdaut werden können, von der Kolonmikrobiota fermentiert werden, wodurch kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat entstehen. Diese Metaboliten unterstützen die Integrität der Darmbarriere, fördern die Funktion regulatorischer T-Zellen, können Entzündungen reduzieren und die immunologischen Abwehrmechanismen der Haut beeinflussen. 5

Umgekehrt können ungünstige Ernährungsweisen das mikrobielle Gleichgewicht im Darm stören. Eine Ernährung mit hohem Fettgehalt und industriellen Transfetten kann die mikrobielle Vielfalt reduzieren, die Produktion von Lipopolysacchariden erhöhen, die Barrierefunktion des Kolonepithels beeinträchtigen, die Schleimschicht ausdünnen und die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine fördern. Übermäßiger Alkoholkonsum und stark verarbeitete Ernährungsweisen können entzündliche und oxidativen Stress betreffende Prozesse ebenfalls verstärken. 5

Probiotika und Präbiotika

Probiotika gehören zu den am intensivsten untersuchten Maßnahmen zur Unterstützung des Mikrobioms. Dabei handelt es sich um lebende Mikroorganismen, die bei Verabreichung in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen für den Wirt entfalten. In der dermatologischen Forschung zählen Lactobacillus-, Bifidobacterium-, Bacillus-, Streptococcus-, Enterococcus-, Saccharomyces- sowie bestimmte therapeutische Escherichia-Stämme zu den am häufigsten untersuchten Mikroorganismen. Probiotika können über verschiedene Mechanismen positive Wirkungen entfalten: Sie können die Besiedlung durch Krankheitserreger hemmen, entzündungshemmende Metaboliten produzieren, die Integrität der Darmbarriere unterstützen, das Gleichgewicht zwischen Treg- und Th17-Zellen modulieren, die Konzentration bestimmter proinflammatorischer Marker reduzieren und die Funktion der Hautbarriere positiv beeinflussen. 4–6

  • In einer Studie mit Kindern im Alter von 4–17 Jahren mit atopischer Dermatitis war eine probiotische Kombination aus Bifidobacterium longum, Bifidobacterium lactis und Lactobacillus casei nach 12 Wochen Behandlung mit Verbesserungen der SCORAD-Werte (einem klinischen Maß für den Schweregrad der Erkrankung), einer Verringerung der Entzündungsaktivität und einem reduzierten Bedarf an topischen Kortikosteroiden verbunden. 25 Auch andere Studien mit Kombinationen aus Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämmen sowie Formulierungen, die Präbiotika, Probiotika und Postbiotika enthalten, berichteten über günstige Ergebnisse. 1, 4
  • Bei Psoriasis haben mehrere Studien gezeigt, dass eine probiotische Supplementierung Entzündungsmarker wie CRP und TNF-α reduzieren, Marker für oxidativen Stress verbessern und die Rückfallhäufigkeit senken kann. Auf Grundlage der derzeitigen Evidenz erscheinen diese Interventionen als vielversprechende ergänzende Therapien, obwohl die probiotische Behandlung bislang nicht standardisiert ist. 1, 4, 6
  • Auch bei Akne haben sich mikrobiomunterstützende Strategien als potenzielle ergänzende Ansätze herauskristallisiert. Klinische Studien haben gezeigt, dass fermentierte Getränke mit Lactobacillus, probiotische Supplementierungen sowie Kombinationen aus Antibiotika und Probiotika die Anzahl der Akneläsionen verbessern und gleichzeitig die mit einer Antibiotikatherapie verbundenen Nebenwirkungen reduzieren können. 26, 27
  • Es ist wichtig zu betonen, dass die Wirksamkeit probiotischer Interventionen von zahlreichen Faktoren abhängen kann, darunter der Schweregrad der Erkrankung, das Alter des Patienten, die Ausgangszusammensetzung des Mikrobioms, die verwendeten Stämme und Kombinationen, die Dosierung sowie die Behandlungsdauer. 1, 4, 6

Auch der Einsatz von Präbiotika kann das Mikrobiom unterstützen. Präbiotika sind Substrate, die vom Wirt nicht oder nur teilweise verdaut werden, jedoch selektiv von nützlichen Mikroorganismen genutzt werden und dadurch positive Effekte auf die mikrobielle Ökologie des Darms ausüben. Beispiele hierfür sind Fructooligosaccharide, Galactooligosaccharide, Inulin, Polydextrose, Lactulose, Sorbitol und Xylit. Diese Verbindungen können das Wachstum von Bifidobacterium- und Lactobacillus-Arten fördern, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren steigern und dadurch die Barriereintegrität sowie entzündungshemmende Immunreaktionen unterstützen. 4, 5

Die Unterstützung des Mikrobioms bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass „mehr Probiotika und Ballaststoffpräparate immer besser sind“. Nach unserer Erfahrung kann die ungezielte Anwendung von Probiotika oder präbiotischen Ballaststoffsupplementen ohne vorherige Beurteilung des Mikrobioms sogar unerwünschte Folgen haben, da das Zielmilieu häufig unbekannt ist. In manchen Fällen unterstützt ein bestimmtes Präbiotikum oder Probiotikum nicht primär die gewünschten Mikroorganismen, sondern fördert das Wachstum bereits überrepräsentierter Stämme oder verschiebt das Ökosystem in Richtung bestimmter Fermentationsprozesse, beispielsweise einer übermäßigen Milchsäureproduktion. Aus diesem Grund ist ein vorsichtiger und individualisierter Ansatz ratsam. Möglicherweise besteht ein geringeres Risiko, wenn ein einzelnes Probiotikum nicht dauerhaft über lange Zeiträume eingesetzt wird und stattdessen unterschiedliche Formulierungen abgewechselt oder kombiniert werden, um die mikrobielle Vielfalt zu erhalten.

Weitere medizinische Ansätze

Bei bestimmten Hauterkrankungen wie Akne und Rosazea können Antibiotika aufgrund ihrer entzündungshemmenden und immunmodulatorischen Eigenschaften eine therapeutische Rolle spielen. Gleichzeitig ist es wichtig zu erkennen, dass Antibiotika das Darmmikrobiom erheblich verändern können. Sie können die mikrobielle Vielfalt verringern, Antibiotikaresistenzen fördern und zum übermäßigen Wachstum von Pilzen oder opportunistischen pathogenen Bakterien beitragen. Dennoch bleiben sie in vielen klinischen Situationen gerechtfertigte und wirksame medizinische Behandlungen. 1, 5, 6

Eine spezialisierte, auf das Mikrobiom ausgerichtete Intervention, die fachärztliche Überwachung erfordert, ist die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT). Kleine Humanstudien und Fallberichte bei atopischer Dermatitis haben auf mögliche klinische Verbesserungen bei mittelschweren bis schweren Verläufen hingewiesen, während vereinzelte Berichte ein Nachwachsen der Haare nach FMT bei Alopecia areata beschrieben haben. FMT gilt derzeit jedoch nicht als routinemäßige dermatologische Therapie. Ihre Wirksamkeit und Sicherheit bedürfen weiterer Untersuchungen, und zu den potenziellen Risiken gehören Infektionen und andere schwerwiegende Komplikationen. 1, 4

Zusammenfassend kann die Unterstützung des Darmmikrobioms bei Personen mit Hautbeschwerden auf mehreren Ebenen erfolgen. Erstens kann eine ballaststoffreiche, mikrobiomfreundliche Ernährung in Kombination mit einem reduzierten Konsum von Transfetten, Alkohol und stark verarbeiteten Lebensmitteln eine solide Grundlage schaffen. Zweitens kann der Einsatz von Präbiotika und Probiotika erwogen werden, idealerweise auf Basis stammspezifischer Evidenz und angepasst an die jeweilige Hauterkrankung und Altersgruppe. Drittens können Synbiotika, Postbiotika und spezialisiertere mikrobiombasierte Interventionen in Betracht gezogen werden, wobei eine medizinische Überwachung und eine sorgfältige Sicherheitsbewertung in diesen Bereichen besonders wichtig bleiben. 1, 4–6

Schlussfolgerungen und zukünftige Perspektiven

Idealerweise sollte eine personalisierte Unterstützung des Mikrobioms auf einer Beurteilung der individuellen Ausgangszusammensetzung der Darmmikrobiota und des gesamten mikrobiellen Gleichgewichts basieren. Die Entwicklung einer gezielten therapeutischen Strategie erfordert ein Verständnis darüber, welche Bakteriengruppen im Darmökosystem vorhanden, fehlend, überrepräsentiert oder funktionell verändert sind.

Auf Grundlage der derzeitigen Evidenz ist es unwahrscheinlich, dass das Darmmikrobiom eine eigenständige „Ursache“ entzündlicher Hauterkrankungen darstellt. Vielmehr scheint es Teil eines komplexen immunmetabolischen Netzwerks zu sein. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms, die Integrität der Darmbarriere, mikrobielle Metaboliten und die Immunregulation können über verschiedene Wege mit der Hauthomöostase, entzündlichen Prozessen und der Barrierefunktion der Haut interagieren. Eine wichtige Frage für die zukünftige Forschung ist, ob spezifische mikrobielle Signaturen, Biomarker oder gezielte mikrobiombasierte Interventionen identifiziert werden können, die letztlich wirklich personalisierte dermatologische Therapien ermöglichen. 4

Quellen

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